Mein Leben und ich.

Wenn die de-Mail droht

DE-Mail
Ich musste mich doch sehr wundern, als heute bei der Arbeit plötzlich meine eMail-Benachrichtigung aufpoppte und den Titel „Eröffnung Kulanzfall 201…“ zeigte.

Der Inhalt ist überraschend unverständlich:

Sehr geehrter Herr Gerrits,

unser Verkauf hat Sie über die Löschung Ihrer Reservierung eingehend informiert. Aufgrund mehrerer Anfragen werden jedoch einige, vorreservierte De-Mail-Adressen noch für kurze Zeit reserviert bleiben. Im Anschluss an diese kurze Kulanzzeit werden die De-Mail-Adressen wieder freigegeben.

Andere Nutzer könnten sich danach „Ihre“ Adresse:tim.gerrits@gmx.de-mail.de verbindlich sichern.

Wir bitten um
Hinweis: Die Bereitstellung Ihres De-Mail Postfaches ist ein kostenloser Service von GMX.

Ihr GMX Kundenservice

Kurz um, ich soll mir schnell noch eine de-mail.de-Adresse sichern, bevor es jemand anderes tut.

Aber von was für einem Kulanzfall ist die Rede? Warum diese umständliche Mail, nur um mir eine eMail-Adresse zu verkaufen, die ich zum einen bescheuert finde, und zum anderen nicht brauche.
Ich habe dann kurz gegoogelt, und sofort diesen Artikel gefunden:
http://notes.computernotizen.de/2014/02/07/de-mail-locken-drohen-taeuschen/

Gleich zu Beginn:

Web.de ist jedoch dafür um so entschiedener von den Vorteilen der De-Mail überzeugt. Und hört nicht auf mir davon vorzuschwärmen. Oder anders formuliert: Web.de lässt nichts unversucht mir diesen Service unterzujubeln. Sie locken, sie drohen und sie täuschen.

Recht scheint er zu haben.
Mich jedenfalls hat es erst mal aus dem Konzept gebracht.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass ich mich vielleicht doch endlich mal von meinem GMX-Account trennen sollte…

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Letzten Sonntag, den 12.02.2012 habe ich mich erneut an einen Slam herangetraut.
Diesmal aber einen musikalischen.

Singer-Songwriter Slam nennt sich das Format und überwältigender Weise konnte ich sogar den ersten Platz belegen.

Eines meiner vorgestellten Lieder wurde dabei gefilmt und ist als Video eingebettet 🙂 Viel Spaß und ich hoffe, es gefällt euch.

Vegan for a week

Vegan Leben. Durch die Nähe zur Grünen Politik bin ich natürlich schon mehrfach mit diesem Vorschlag konfrontiert worden, ernsthaft überlegt hatte ich es mir aber nicht. Wie der Zufall es so wollte, wurde ich jedoch vor einiger Zeit in Facebook zur Veranstaltung „Vegan for a Week“ eingeladen. Wie der Name schon sagt, ging es also darum, eine Woche lang vegan zu leben. Eine Woche nur, dachte ich, das will ich einfach mal ausprobieren. Natürlich gibt es viele gute Gründe wirklich vegan zu leben, über die man gerne diskutieren kann, mir ging es jedoch erst einmal nur darum, zu sehen, wie man so als Veganer durch die Woche kommt.

Mein kleines veganes-Tagebuch also:

Tag 1:
Heute ist also der erste Tag. Ich habe mich ehrlich gesagt viel zu wenig mit dem Thema auseinandergesetzt als ich bemerke, dass die Aktion ja heute beginnt. Was gehört also alles dazu, um eine Woche vegan zu leben? Veganes Essen, das ist klar, aber wenn man es genau betrachtet, so müsste ich zum Beispiel auch auf Leder und Wolle verzichten. Also entscheide ich mich für eine vegane Ernährung für diese Woche und lasse die anderen Bereiche erst einmal außen vor. In meinem Kühlschrank befinden sich noch eine Gurke und Tomaten, sonst nichts. Das reicht zwar, um heute noch einen kleinen Salat zu essen, aber ich muss wohl noch einkaufen gehen. Heute belasse ich es bei einem Salat.

Tag 2:
Nachdem ich mir schon einige schlechten Veganer-Witze auf Facebook anhören muss, gehe ich dann doch endlich einkaufen. Aber was kann man denn guten Gewissens kaufen und kochen? Also schreibe ich eine Freundin an, die seit einigen Jahren vegan lebt und bekomme eine tolle Antwort mit vielen Rezept-Ideen, bevorzugten Läden und Internetseiten für weitere Anregungen. Asiatisch bietet sich besonders an, also Reis oder gebratene Nudeln (ohne Ei versteht sich), oder Chilli sin Carne (wobei man das Fleisch auch einfach durch Tofu ersetzen kann). Selbst für Fast-Food-Liebhaber gibt es Burger, Gyros, Pommes usw, alles auch in der veganen Variante. Mein Lieblingstipp ist jedoch, dass auch die großen Ravioli-Dosen mit Gemüseravioli vegan sind. Die genannten Links hab ich für euch unten auch angehängt.

Gut informiert also ziehe ich los und lande im Edeka um die Ecke. Mit Tofu, Obst, Gemüse, Tomatensauce und Weizennudeln verlasse ich ihn wieder. Außer dem Tofu habe ich nichts gekauft, was ich sonst nicht auch gekauft hätte. Mein zweiter Weg führt mich ins Reformhaus. Die Auswahl hier ist natürlich riesig, jedoch auch deutlich teurer. Veganes Steak, vegane Putenschnitzel, eine Packung Gummibärchen ohne Gelatine und eine Packung Brotteig bekomme ich für etwas mehr als 12€. Heute gibt es aber etwas, dass ich noch im Haus habe: Kartoffeln mit Grünkohl.

Tag 3:
Ich fühle mich super, es scheint gar nicht so schwer zu sein, und man muss nicht mal auf leckere Dinge verzichten. Soja Milch war und ist zwar nicht so mein Ding, aber zu einem sehr schmackhaften Soja-Steak mit Salat gibt es einen Vanille-Soja-Drink, der wirklich sehr lecker ist. Abends bin ich auf einem Geburtstag eingeladen, zu dem ich mit ein paar Freunden verschiedene Kuchen backen will. Einer dieser ist ein veganer Kirsch-Bananen-Streusel-Kuchen. Wie der Zufall so will, wird es der beste aller Kuchen (Also wirklich wirklich 🙂 )

Tag 4:
Meine Euphorie wird plötzlich gebremst. Ich habe mir verschiedene Packungen getrockneter Früchte gekauft und bin genervt, als ich merke, dass die getrockneten Bananen mit Honig gesüßt sind. Also ein Fehlkauf, Honig ist für mich Tabu. Auch die Soja-Puten-Filets können mich nicht überzeugen. Ich merke, dass man als Veganer tierisch aufpassen muss (beachtet das Wortspiel^^), was man so kauft. In vielen Produkten sind eben doch Eier, Honig, Milch, tierisches Lab oder Gelatine enthalten, auch wenn man im ersten Moment nicht daran denkt. Meine Laune bessert sich aber um Welten, als ich Abends wieder auf einen Geburtstag gehe, und eine Freundin meinetwegen extra einen veganen Apfelkuchen gebacken hat. Auch dieser Kuchen steht nicht-veganen Kuchen in keinem Punkt nach.

Tag 5:
Ich bemerke, dass ich viel kontrollierter Esse. Einmal Obst zum Frühstück, dann eine große Mahlzeit am Nachmittag und das war es dann. Keine kleinen Snacks zwischendurch. Leider komme ich den ganzen Tag nicht dazu, neben ein bisschen Obst etwas zu essen und bin daher mehr als begeistert, als ich Abends auf einer WG-Feier eingeladen bin und dort veganes Chilli angeboten bekomme. Bisher das kulinarische Highlight meiner Woche.

Tag 6:
Heute koche ich mir Weizennudeln mit Bolognesesauce, wobei ich das Fleisch durch gut gewürzt und angebratenen Tofu ersetze. Ich finde immer noch, dass Tofu nach nichts schmeckt, beziehungsweise nur nach Gewürzen in meinem Fall. Da die Woche sich ja schon dem Ende neigt, werde ich gefragt, ob ich den schon froh sei, bald wieder Fleisch essen zu können. Um ehrlich zu sein, würde es mir nichts ausmachen, auf Fleisch zu verzichten. Jedoch ständig auf Milch, Eier usw. zu achten ist auf die Dauer doch anstrengend.

Tag 7:
Der letzte Tag. Zum Abschluss der Woche gönne ich mir einen veganen Burger in einem kleinen Café, dass einige weitere vegane Speisen anbietet. Und dann ist es plötzlich schon nach 24:00. Ich habe mich also eine Woche vegan ernährt. Auch wenn ich jetzt direkt zum Kühlschrank rennen und die Schokolade, die seit einer Woche dort auf mich wartet, verschlingen könnte, geh ich lieber schlafen.

Fazit:
Vegan zu leben ist kein Ding der Unmöglichkeit. Ganz im Gegenteil: Ein Großteil der Nahrung, die man im Alltag so zu sich nimmt, ist bereits vegan oder kann ganz leicht, zum Beispiel durch nutzen von Ersatzprodukten, vegan gemacht werden. Die größte Anstrengung, die zu leisten ist, besteht darin, genau darauf zu achten, was man isst. Ich persönlich sehe das aber sogar als einen positiven Nebeneffekt, um seine Ernährung gesund und kontrolliert umzugestalten. Um es gleich vorweg zu sagen: Ich werde nicht weiter vegan leben. Ich werde aber durchaus viel mehr darauf achten, was dort eigentlich auf meinem Teller liegt und auch meinen Fleischkonsum will ich auf ein Minimum reduzieren. Ich spiele sogar mit dem Gedanken, eine ganze Zeit lang vegetarisch zu leben, länger als eine Woche, denn ich bin mir sicher, dass das ohne Schwierigkeiten machbar ist, ja um einiges einfach als vegan.

Versucht euch doch selbst mal an so einer Woche. Mich würde interessieren, ob ihr ähnliche Erfahrungen macht, wie ich. Habt ihr vielleicht schon einmal vegan gelebt, lebt ihr das bereits seit Jahren, oder warum könnt ihr nicht auf euer Schnitzel verzichten? Würde mich über eure Kommentare freuen.

Empfohlene Links:
http://www.chefkoch.de
http://www.eat-this.org/
http://www.laubfresser.de/
http://www.veganguerilla.de

[Edit]: Erst einmal freut es mich, dass viele Rückfragen auf meinen Blogeintrag gekommen sind. Darunter waren auch Anmerkungen, dass meine Beweggründe, eine Woche vegan zu leben, nicht erläutert werden. Gleichzeitig wurde, wie in diesem Blogeintrag von Fiona beschrieben, der Rückschluss daraus gezogen, dass ich „viel zu inkonsequent und oberflächlich.“ sei. Jedoch zielte mein Blogeintrag allein darauf, zu zeigen, wie es für mich, als sonst nicht vegan lebenden Menschen, ist, eine Woche vegan zu leben und nicht die Gründe dafür aufzuzählen. Es gibt hier viele Sichtweisen und Meinungen, die betrachtet werden müssen. Dem würden einige Sätze in einem Bericht wie diesem nicht gerecht werden, weswegen ich meine Motivation für diesen Schritt außen vorgelassen habe.“

Otto gibt Feedback

Seit einem Jahr wohne ich jetzt schon in Magdeburg, der selbst ernannten „Ottostadt„. Inzwischen hatte ich die Möglichkeit, die Stadt etwas besser kennen zu lernen.
Magdeburg selbst genießt nicht den aller besten Ruf. So muss ich ehrlich zugeben, dass meine Vorstellungen anfangs auch nicht die besten waren. Alles, was ich zuvor über Magdeburg gehört hatte, war, dass die Stadt am Ende des zweiten Weltkrieges zerbombt worden war, grau und öde sein solle, wohl irgendwann mal gut im Handball war und vor allem viele Nazis habe. Einzig und allein die Universität sei sehr gut.

Inzwischen ist mein Bild natürlich ein ganz anderes (außer in Bezug auf die Uni, die ist wirklich gut). Magdeburg ist meiner Meinung nach eine tolle Stadt, mit viel Potential, und ich wohne gerne hier. Aber um mein Verhältnis zur Stadt soll es hier gar nicht gehen.

Den Ruf, den eine Stadt von außen hat, ist eine Sache, mir fiel mit der Zeit aber immer mehr auf, dass sehr viele Leute, die sich selbst für ein Leben in Magdeburg entschieden haben, schlecht über diese Stadt denken. So habe ich selbst schon mit Freunden und Bekannten diskutiert, die der festen Überzeugung waren, Magdeburg sei eine schlimme Stadt, an der sich auch nichts ändern würde. Dazu kommt diese Studie der Deutschen Post, welche die Zufriedenheit der Bewohner eines Bundeslandes bzw. Gebietes in Deutschland angibt. Hier erreichte Sachsen-Anhalt einen nicht besonders überzeugenden 16. Platz.

Für mich ergab sich dann also die Frage: Warum sind einige Menschen hier so unzufrieden? Ich habe darauf hin nach Kritik über die Stadt gesucht. In Twitter wurde ich auch relativ schnell fündig, indem ich einfach nur den Hashtag #Magdeburg eingeben musste.

Wie alleine diese beiden Tweets zeigen, äußern sich die Menschen ganz konkret zu Problemen, oder haben gerechtfertigte Fragen, auf die sie in Magdeburg stoßen. Natürlich kann man noch viele weitere Fragen oder Beschwerden entdecken.

Warum kommen diese Nachrichten jedoch nicht bei der Stadt an? Natürlich kann ich verstehen, dass niemand Tag und Nacht in Twitter sitzt und nach solchen Tweets sucht, aber für mich war es schwer vorzustellen, dass niemand den direkten Kontakt zum Beispiel über die Homepage der Stadt suchen würde. Bis ich es selbst probieren wollte.

Ich versuchte auf magdeburg.de ein passendes Formular für Anfragen zu finden, und musste feststellen, dass ich selbst länger suchen musste, bis ich fündig wurde. Dies ist natürlich hinderlich und bildet eine Hürde für alle, die gerne schnell und einfach ihren Beitrag leisten würden.

Also ergab sich für mich die Frage, wie kann man es schaffen, dass Menschen, die aus Magdeburg kommen, oder sich in Magdeburg aufhalten, schnell und einfach Feedback geben können und sich vor allem auch sicher sein können, dass auf ihre Anfragen ragiert wird? Genau hier möchte meine Idee „Otto gibt Feedback“ ansetzen.

Es handelt sich hierbei nur um eine Idee, kein ausgereiftes Konzept, und dieses teilt sich in drei Teile auf, die ich, angelehnt an die „Ottostadt-Kampagne“ angelehnt, so benannt habe:

„Otto nervt“ und „Otto sollte“ bilden hierbei den Bereich, der für das Feedback zuständig wäre. Vorstellbar wäre zum Beispiel eine eigene Webseite, die sehr einfach gestaltet ist und prinzipiell nur ein einziges Formular enthält. Otto „nervt“ oder „sollte“ bilden somit den Anfang des Satzen und werden dann vom Nutzer selbst vervollständigt. So wäre beispielsweise dieser Text denkbar:

Das gleiche gilt auch für „sollte“, wobei hier das Augenmerk natürlich darauf liegt, dass die Menschen konstruktive Vorschläge machen können. Das Formular muss nur noch losgeschickt werden und schon ist man fertig. Vorstellbar wäre jetzt natürlich, dass der Nutzer die Möglichkeit hat, seine E-Mailadresse anzugeben, um eine Reaktion darauf zu erhalten. Was jedoch wichtig ist: Der Nutzer hat ab diesem Moment nichts mehr zu erledigen, sondern konnte schnell und einfach eine Rückmeldung zu einem, für ihn wichtigen Thema geben.

Leider folgt darauf der Teil, der deutlich schwieriger zu planen und realisieren ist. Ein Grundpfeiler dieses Projektes sollte es nämlich sein, dass dieses Feedback auf jeden Fall ankommen und bearbeitet werden muss. Dies erfordert natürlich eine Gruppe von Menschen, die sich mit Themen und Ansprechpartnern der Stadt auskennen und dementsprechend weiterleiten können. So würde zum Beispiel bei oben genanntem Beispiel mit den behindertenungerechten Straßenbahnen eine Anfrage an die Magdeburger Verkehrsbetriebe gesendet werden, die einerseits den MVB wiederum als Feedback nutzen würde, andererseits hoffentlich eine Antwort erzeugt, die dem Fragesteller zurückgesendet werden kann.

Soweit zur Idee des Feedbackbereiches.  Natürlich bleiben hier viele Fragen offen: Wer diese Gruppe bilden, wie sie bezahlt werden sollte oder auch wie eng das mit der Stadtverwaltung selbst verknüpft sein sollte. Auf dem letzten Webmontag in Magdeburg habe ich genau diese Idee auch vorgetragen und danach viel Rückmeldung erhalten, und es freut mich sehr, dass einige Menschen Interesse bekundet haben, mitzuhelfen, und so denke ich, werden sich auch für diese Fragen Antworten finden lassen.

Den letzten Bereich habe ich „Otto persönlich“ genannt. Es geht hierbei um einen Generator, der den Nutzern erlauben soll, ihre eigenen Otto-Sprüche zu generieren. Die Grafiken, die ganz im Stile der Ottokampagne aussehen sollten, die dabei entstehen, sollen dann gespeichert oder auf sozialen Netzwerken, Blogs oder Homepages geteilt werden können. Alles funktioniert dabei nach dem selben Prinzip, wie auch die „Eine Stadt für…“-Kampagne der GRÜNEN Berlin funktioniert hat. Dadurch kann jeder selber zeigen, was Magdeburg für ihn ist, und die Verbreitung der Bilder, mit einer entsprechenden Verlinkung, würde gleichzeitig dafür sorgen, dass „Otto gibt Feedback“ bekannter werden würde.

Das sind also alle drei Bereiche, mit denen es, wie ich hoffe, machbar wäre, das Verhältnis zwischen Einwohnern/Besuchern und Stadt zu verbessern. Ich bin selbst gespannt, ob und wie sich meine Idee weiterentwickeln wird und freue mich natürlich über alle Antworten, Kritiken und Beiträge, die mir dabei helfen könnten.

Meine Musterung mit Leonardo DiCaprio

Tja, das war sie nun, meine Musterung.

Ehrlich gesagt, war die Musterung selbst nicht mal annähernd so witzig, wie die Umstände herum. Aber ich fang am besten chronologisch an, damit ihr euch ein Bild machen könnt, was ich schönes erlebt hab.

Ich war ja echt ganz glücklich, dass ich durch eine E-Mail an das Kreiswehrersatzamt einen früheren Musterungstermin mit meinem Bruder zusammen bekommen habe. Ich wollte Klarheit um endlich die Planung für die Zeit nach dem Abitur anzufangen. Gehofft hab ich natürlich auf eine Ausmusterung, lässt einem einfach die größten Freiheiten.

Zeit, um irgendwelche Krankheiten aus dem Hut zu ziehen, blieb mir leider nicht, und so musste ich mit meiner Chronisch-Asthmatischen Bronchitis, der Brille, die ich nie trage und den paar WehWehchen, die ich eben so besitze heute morgen los nach Schwäbisch Gmünd.

Meinen Bruder eingepackt, und los gehts. 9°° soll der Termin stattfinden und um 8°° sind wir auf dem Weg, eigentlich also massig Zeit. Der Verkehr ist allerdings so zäh, dass es nich gerade schnell geht und als wir dann kurz nach 9 in der anscheinend richtigen Straße stehen, ist komischer Weise von Kreiswehrersatzamt nicht viel zu sehen. Tja, das passiert, wenn man sich zu sehr auf die Technik verlässt^^ Hat uns Google Maps einfach mal in die selbe Straße geschickt, aber in einen Ort, der eine gute halbe Stunde von Schwäbisch Gmünd entfernt liegt.

Was nun? Naja, erstmal beim Kreiswehrersatzamt melden und Bescheid geben, dass man wohl später kommt. Die ernüchternde Realität ist jedeoch 52ct. Guthaben auf meinem, und 8ct. auf dem Handy meines Bruders. Nuja, reicht um zumindest ein klitzekleines Gespräch im Stile von „Hey, ich bin Tim, ich komm zu spät“ – „Alles klar!“ zu führen…. Denkste! Da schreiben die eine Nummer auf ihre Unterlagen, die dich nicht in Schwäbisch Gmünd landen lässt, sondern einfach mal in der BundesblablaStelle. Mit meiner knappen Minute Zeit versuche ich dann der Frau am anderen Ende, die völlig überfordert scheint, klarzumachen, wo ich hin will, und vorallem warum. Als sie mich dann aber zur nächsten Mitarbeiterin der BundesblablaStelle – ich weiß, ein schönes Wort – durchstellen will, isses mir zu viel. Ich lege auf.

Uff, also direkt rein ins Auto und los in die richtige Stadt. BLING – da leuchtet auch schon die Tankanzeige auf. Tank leer. Super. Wir im nirgendwo.

Aber clever wie wir sind, ist der Plan: Nächste Tankstelle finden, dort nach einem Telefon fragen und Bescheid geben. Klingt ja ganz vernünftig. Aber versucht mal in diesen Käffern, in denen man permanent hinter Traktoren hertuckert eine Tankstelle zu finden. Geschafft haben wirs dann dennoch, auch angerufen haben wir erneut. Nur diesmal war man wohl an der anderen Seite beschäftigt. Es war besetzt.

Mit halbem Tank also weiter, ohne probleme nach Gmünd gefunden doch direkt das nächste Problem. Dieses Kreiswehrersatzamt is ja mal so was von nicht zu finden. Daher drei mal durch die ganze Stadt fahren, verschiedenste Leute fragen, aber dann, um 10°° endlich das Schild „Kreiswehrersatzamt“. Uff…

Ich bin darauf eingestellt, dass sie uns vielleicht blöde anschnautzen, oder zumindest böse gucken. Scheint aber allen strunz egal zu sein. Wir müssen nicht warten, direkt ab ins erste Büro und los geht’s mim Musterungszirkus.

Musterung

Man schickt uns ins Wartezimmer, nachdem die Personalien aufgenommen sind. In „den Raum mit dem Fernseher“, wie die nette Dame sagt. Drinnen sitzen etwa 10 andere Jungs, in etwa unserem Alter. Die verschiedensten Typen gibt es. Gangster, Skater, Nerds und was weiß ich alles. Am Ende des Raumes sitzt, mit eigenem Tischkärtchen und voller Uniform, ein junger Soldat, dessen einzige Aufgabe es scheint, alle im Raum befindlichen Musterungskandidaten mit bösen Blicken zu bewachen, dass sie auch ja nichts böses tun und vor allem nicht reden.

Nachdem ich einen Platz gefunden habe und mich im Raum umsehe, bleibt mein Blick am Fernsehr hängen. Tja, wer hätte das Gedacht. Vor meinen Augen tummeln sich Leonardo DiCaprio und Kate Winslet auf der „Titanic“ und sind gerade dabei, eine bisschen „kuscheln“ zu gehen. Ich muss mir mein lachen ein wenig verkneifen, als ich die auf den kleinen Fernseher gebannten Blicke meiner Mitwarter sehe.

Bei der Bundeswehr läuft „Titanic“ im Wartezimmer – mir fehlen quasi die Worte.

Der weitere Verlauf der Musterung ist nicht besonders spannend. Fragen beantworten, Sehtest machen, Hörtest machen, ausziehen, Kniebeugen, anziehen, sich die „tollen“ Optionen bei der Bundeswehr anhören und zu guter letzt das Angebot zur Verlängerung der Wehrpflicht ablehnen. Das einzige, was mich zwischendruch immer wieder erfreut, sind die Wartezeiten, die mich Kate rumheulen, die Titanic sinken und Leonardo ertrinken sehen lassen.

Das Ergebnis ist ernüchternd.

T2.

Ich hatte auf Aufmustern gehofft. Jetzt darf ich meine Verweigerung einreichen, meinen Lebenslauf und meine Begründung hinschicken und das am besten noch die nächsten Tage, sonst muss ich in 3 Wochen erneut erscheinen um dann weitere Egnungstests zu machen, damit man für mich den optimalen Platz in der Bundeswehr findet. Leider sagt mir meine Musterung, dass ich für „Borddienstverwendungsfähigkeit“ nicht in betracht komme.

Dabei hat mich der Film doch so inspiriert…