Meine Musterung mit Leonardo DiCaprio

Tja, das war sie nun, meine Musterung.

Ehrlich gesagt, war die Musterung selbst nicht mal annähernd so witzig, wie die Umstände herum. Aber ich fang am besten chronologisch an, damit ihr euch ein Bild machen könnt, was ich schönes erlebt hab.

Ich war ja echt ganz glücklich, dass ich durch eine E-Mail an das Kreiswehrersatzamt einen früheren Musterungstermin mit meinem Bruder zusammen bekommen habe. Ich wollte Klarheit um endlich die Planung für die Zeit nach dem Abitur anzufangen. Gehofft hab ich natürlich auf eine Ausmusterung, lässt einem einfach die größten Freiheiten.

Zeit, um irgendwelche Krankheiten aus dem Hut zu ziehen, blieb mir leider nicht, und so musste ich mit meiner Chronisch-Asthmatischen Bronchitis, der Brille, die ich nie trage und den paar WehWehchen, die ich eben so besitze heute morgen los nach Schwäbisch Gmünd.

Meinen Bruder eingepackt, und los gehts. 9°° soll der Termin stattfinden und um 8°° sind wir auf dem Weg, eigentlich also massig Zeit. Der Verkehr ist allerdings so zäh, dass es nich gerade schnell geht und als wir dann kurz nach 9 in der anscheinend richtigen Straße stehen, ist komischer Weise von Kreiswehrersatzamt nicht viel zu sehen. Tja, das passiert, wenn man sich zu sehr auf die Technik verlässt^^ Hat uns Google Maps einfach mal in die selbe Straße geschickt, aber in einen Ort, der eine gute halbe Stunde von Schwäbisch Gmünd entfernt liegt.

Was nun? Naja, erstmal beim Kreiswehrersatzamt melden und Bescheid geben, dass man wohl später kommt. Die ernüchternde Realität ist jedeoch 52ct. Guthaben auf meinem, und 8ct. auf dem Handy meines Bruders. Nuja, reicht um zumindest ein klitzekleines Gespräch im Stile von „Hey, ich bin Tim, ich komm zu spät“ – „Alles klar!“ zu führen…. Denkste! Da schreiben die eine Nummer auf ihre Unterlagen, die dich nicht in Schwäbisch Gmünd landen lässt, sondern einfach mal in der BundesblablaStelle. Mit meiner knappen Minute Zeit versuche ich dann der Frau am anderen Ende, die völlig überfordert scheint, klarzumachen, wo ich hin will, und vorallem warum. Als sie mich dann aber zur nächsten Mitarbeiterin der BundesblablaStelle – ich weiß, ein schönes Wort – durchstellen will, isses mir zu viel. Ich lege auf.

Uff, also direkt rein ins Auto und los in die richtige Stadt. BLING – da leuchtet auch schon die Tankanzeige auf. Tank leer. Super. Wir im nirgendwo.

Aber clever wie wir sind, ist der Plan: Nächste Tankstelle finden, dort nach einem Telefon fragen und Bescheid geben. Klingt ja ganz vernünftig. Aber versucht mal in diesen Käffern, in denen man permanent hinter Traktoren hertuckert eine Tankstelle zu finden. Geschafft haben wirs dann dennoch, auch angerufen haben wir erneut. Nur diesmal war man wohl an der anderen Seite beschäftigt. Es war besetzt.

Mit halbem Tank also weiter, ohne probleme nach Gmünd gefunden doch direkt das nächste Problem. Dieses Kreiswehrersatzamt is ja mal so was von nicht zu finden. Daher drei mal durch die ganze Stadt fahren, verschiedenste Leute fragen, aber dann, um 10°° endlich das Schild „Kreiswehrersatzamt“. Uff…

Ich bin darauf eingestellt, dass sie uns vielleicht blöde anschnautzen, oder zumindest böse gucken. Scheint aber allen strunz egal zu sein. Wir müssen nicht warten, direkt ab ins erste Büro und los geht’s mim Musterungszirkus.

Musterung

Man schickt uns ins Wartezimmer, nachdem die Personalien aufgenommen sind. In „den Raum mit dem Fernseher“, wie die nette Dame sagt. Drinnen sitzen etwa 10 andere Jungs, in etwa unserem Alter. Die verschiedensten Typen gibt es. Gangster, Skater, Nerds und was weiß ich alles. Am Ende des Raumes sitzt, mit eigenem Tischkärtchen und voller Uniform, ein junger Soldat, dessen einzige Aufgabe es scheint, alle im Raum befindlichen Musterungskandidaten mit bösen Blicken zu bewachen, dass sie auch ja nichts böses tun und vor allem nicht reden.

Nachdem ich einen Platz gefunden habe und mich im Raum umsehe, bleibt mein Blick am Fernsehr hängen. Tja, wer hätte das Gedacht. Vor meinen Augen tummeln sich Leonardo DiCaprio und Kate Winslet auf der „Titanic“ und sind gerade dabei, eine bisschen „kuscheln“ zu gehen. Ich muss mir mein lachen ein wenig verkneifen, als ich die auf den kleinen Fernseher gebannten Blicke meiner Mitwarter sehe.

Bei der Bundeswehr läuft „Titanic“ im Wartezimmer – mir fehlen quasi die Worte.

Der weitere Verlauf der Musterung ist nicht besonders spannend. Fragen beantworten, Sehtest machen, Hörtest machen, ausziehen, Kniebeugen, anziehen, sich die „tollen“ Optionen bei der Bundeswehr anhören und zu guter letzt das Angebot zur Verlängerung der Wehrpflicht ablehnen. Das einzige, was mich zwischendruch immer wieder erfreut, sind die Wartezeiten, die mich Kate rumheulen, die Titanic sinken und Leonardo ertrinken sehen lassen.

Das Ergebnis ist ernüchternd.

T2.

Ich hatte auf Aufmustern gehofft. Jetzt darf ich meine Verweigerung einreichen, meinen Lebenslauf und meine Begründung hinschicken und das am besten noch die nächsten Tage, sonst muss ich in 3 Wochen erneut erscheinen um dann weitere Egnungstests zu machen, damit man für mich den optimalen Platz in der Bundeswehr findet. Leider sagt mir meine Musterung, dass ich für „Borddienstverwendungsfähigkeit“ nicht in betracht komme.

Dabei hat mich der Film doch so inspiriert…

Advertisements

4 Kommentare

  1. Ihr seid in Schwäbisch Gmünd gemustert worden? Das ist ja mal witzig, aber bevor ihr nochmal planlos durch die halbe Stadt fahrt, ruft mich an, ich habe mal gegenüber des Kreiswehrersatzamtes gewohnt!

  2. Schön, schön.
    Ich war au T2. Was will man machen.
    Such dir ne schicke Zivistelle und dann geht das auch irgendwie 🙂

    Was hatte dein Bruder?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s