Der Kampf um die Sicherheit nach WhatsApp

Es war natürlich DIE Nachricht:
Facebook kauft WhatsApp für 19 Milliarden Dollar.

Oder anders gesagt: Unsichere Privatsphäre geht an noch unsicherere Privatsphäre. [edit: das ist natürlich polemisch und so nicht richtig]
Grund genug, sich wieder ein mal nach Alternativen umzusehen,
die dem bekannterweise unsicheren WhatsApp die Stirn bieten könnten.

Schon vor einiger Zeit hatte der Hike Messenger versucht, sich durchzusetzen,
versprach neue Sicherheit, lieferte diese viel zu spät und steht weiter in der Kritik, Kontaktdaten an die eigenen Server zu übertragen.

Momentan scheint der Kampf zwischen Threema und Telegram ausgebrochen zu sein.

Threema kommt aus der Schweiz, kostet 1,79€(iOS) oder 1,60€(Android),
und wird von vielen Seiten hoch gelobt.
Es verspricht eine asymmetrische End-to-End Verschlüsselung (Bitte auf die Links klicken, um zu erfahren, warum das sicher ist😉 ),
und sieht alles in allem sehr überzeugend aus.
Einziger Haken: Die Entwickler haben ihren Sourcecode (noch) nicht offen gelegt, wodurch sich nicht überprüfen lässt, wie sicher die App tatsächlich ist.

android_threema iphone5_threema

Die kostenlose Alternative heißt Telegram Messenger, wurde von zwei russischen Brüdern, die nebenher noch Gründer des größten russischen sozialen Netzwerks sind, gegründet und erfährt nun einen regelrechten Nutzer-Boom.
Die App bietet zwei Chat-Möglichkeiten an:
Der normale Chat zwischen Nutzern ist Nutzerseitig verschlüsselt und somit auf verschiedenen Geräten nutzbar.
Der sichere Chat nutzt, wie Threema, eine End-to-End Verschlüsselung.
Großer Pluspunkt ist, dass Telegram alle Protokolle und die API offen legt und sogar Nutzer einlädt, diese auf Sicherheit zu überprüfen.
Hinzu kommen einige nette Features, wie eine Chrome-Erweiterung, die das Chatten auch vom Desktop aus ermöglicht.

Screenshot Telegram Screenshot Telegram

Meiner Einschätzung nach hat damit Telegram die Nase leicht vorn, wenn es darum geht, viele Menschen zu einer neuen, sichereren Messenger-App zu bewegen, in vielen Foren und auch Facebook (in FB über Sicherheit diskutieren…jaja😉 ) wird jedoch hitzig gestritten. Die meisten, die bereits Geld für Threema liegengelassen haben, verteidigen ihren neuen Dienst natürlich etwas vehementer, als die kostenlosen Nutzer von Telegram.

Warten auf Heml.is

„Hemlis means Secret in Swedish“ – mit diesem Satz wird auf der Seite des noch nicht veröffentlichten Messengers Hemlis geworben,
die unter anderem vom Mitgründer von „The Pirate Bay“ entwickelt wird.
Das Projekt wurde schon vor längerer Zeit durch Crowdfunding  beworben, verspricht eine schöne und sichere App …
Jedoch ist noch nicht mal ein Veröffentlichungsjahr bekannt.

hemlis

Interessant ist auch diese Tabelle auf Wikipedia, die die verschiedenen Funktionen und Sicherheitsstufen der Apps auflistet:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_mobilen_Instant-Messengern
Hier findet man auch noch einmal weitere Einzelheiten über die Messenger selbst.

Gleich mal auf Facebook teilen…

Ich schätze, dass die Nutzer, die jetzt zuerst wechseln, schon länger einen gewissen Drang verspüren, dass eben nicht mehr alles, was sie privat mit ihren Freunden austauschen wollen, mitgelesen werden kann. Wächst die Anzahl der Nutzer schnell genug, werden auch andere mitziehen.
Privatsphäre ist aber mehr, als nur den Messenger zu wechseln. So lange man weiterhin alles auf Plattformen wie Facebook oder Instagram preisgibt,
ist der Weg für NSA und Co noch frei und ohne Hindernisse.
Aber es ist ja schon ein mal ein Schritt in die richtige Richtung.

Wenn die de-Mail droht

DE-Mail
Ich musste mich doch sehr wundern, als heute bei der Arbeit plötzlich meine eMail-Benachrichtigung aufpoppte und den Titel „Eröffnung Kulanzfall 201…“ zeigte.

Der Inhalt ist überraschend unverständlich:

Sehr geehrter Herr Gerrits,

unser Verkauf hat Sie über die Löschung Ihrer Reservierung eingehend informiert. Aufgrund mehrerer Anfragen werden jedoch einige, vorreservierte De-Mail-Adressen noch für kurze Zeit reserviert bleiben. Im Anschluss an diese kurze Kulanzzeit werden die De-Mail-Adressen wieder freigegeben.

Andere Nutzer könnten sich danach „Ihre“ Adresse:tim.gerrits@gmx.de-mail.de verbindlich sichern.

Wir bitten um
Hinweis: Die Bereitstellung Ihres De-Mail Postfaches ist ein kostenloser Service von GMX.

Ihr GMX Kundenservice

Kurz um, ich soll mir schnell noch eine de-mail.de-Adresse sichern, bevor es jemand anderes tut.

Aber von was für einem Kulanzfall ist die Rede? Warum diese umständliche Mail, nur um mir eine eMail-Adresse zu verkaufen, die ich zum einen bescheuert finde, und zum anderen nicht brauche.
Ich habe dann kurz gegoogelt, und sofort diesen Artikel gefunden:
http://notes.computernotizen.de/2014/02/07/de-mail-locken-drohen-taeuschen/

Gleich zu Beginn:

Web.de ist jedoch dafür um so entschiedener von den Vorteilen der De-Mail überzeugt. Und hört nicht auf mir davon vorzuschwärmen. Oder anders formuliert: Web.de lässt nichts unversucht mir diesen Service unterzujubeln. Sie locken, sie drohen und sie täuschen.

Recht scheint er zu haben.
Mich jedenfalls hat es erst mal aus dem Konzept gebracht.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass ich mich vielleicht doch endlich mal von meinem GMX-Account trennen sollte…

Letzten Sonntag, den 12.02.2012 habe ich mich erneut an einen Slam herangetraut.
Diesmal aber einen musikalischen.

Singer-Songwriter Slam nennt sich das Format und überwältigender Weise konnte ich sogar den ersten Platz belegen.

Eines meiner vorgestellten Lieder wurde dabei gefilmt und ist als Video eingebettet🙂 Viel Spaß und ich hoffe, es gefällt euch.

Vegan for a week

Vegan Leben. Durch die Nähe zur Grünen Politik bin ich natürlich schon mehrfach mit diesem Vorschlag konfrontiert worden, ernsthaft überlegt hatte ich es mir aber nicht. Wie der Zufall es so wollte, wurde ich jedoch vor einiger Zeit in Facebook zur Veranstaltung „Vegan for a Week“ eingeladen. Wie der Name schon sagt, ging es also darum, eine Woche lang vegan zu leben. Eine Woche nur, dachte ich, das will ich einfach mal ausprobieren. Natürlich gibt es viele gute Gründe wirklich vegan zu leben, über die man gerne diskutieren kann, mir ging es jedoch erst einmal nur darum, zu sehen, wie man so als Veganer durch die Woche kommt.

Mein kleines veganes-Tagebuch also:

Tag 1:
Heute ist also der erste Tag. Ich habe mich ehrlich gesagt viel zu wenig mit dem Thema auseinandergesetzt als ich bemerke, dass die Aktion ja heute beginnt. Was gehört also alles dazu, um eine Woche vegan zu leben? Veganes Essen, das ist klar, aber wenn man es genau betrachtet, so müsste ich zum Beispiel auch auf Leder und Wolle verzichten. Also entscheide ich mich für eine vegane Ernährung für diese Woche und lasse die anderen Bereiche erst einmal außen vor. In meinem Kühlschrank befinden sich noch eine Gurke und Tomaten, sonst nichts. Das reicht zwar, um heute noch einen kleinen Salat zu essen, aber ich muss wohl noch einkaufen gehen. Heute belasse ich es bei einem Salat.

Tag 2:
Nachdem ich mir schon einige schlechten Veganer-Witze auf Facebook anhören muss, gehe ich dann doch endlich einkaufen. Aber was kann man denn guten Gewissens kaufen und kochen? Also schreibe ich eine Freundin an, die seit einigen Jahren vegan lebt und bekomme eine tolle Antwort mit vielen Rezept-Ideen, bevorzugten Läden und Internetseiten für weitere Anregungen. Asiatisch bietet sich besonders an, also Reis oder gebratene Nudeln (ohne Ei versteht sich), oder Chilli sin Carne (wobei man das Fleisch auch einfach durch Tofu ersetzen kann). Selbst für Fast-Food-Liebhaber gibt es Burger, Gyros, Pommes usw, alles auch in der veganen Variante. Mein Lieblingstipp ist jedoch, dass auch die großen Ravioli-Dosen mit Gemüseravioli vegan sind. Die genannten Links hab ich für euch unten auch angehängt.

Gut informiert also ziehe ich los und lande im Edeka um die Ecke. Mit Tofu, Obst, Gemüse, Tomatensauce und Weizennudeln verlasse ich ihn wieder. Außer dem Tofu habe ich nichts gekauft, was ich sonst nicht auch gekauft hätte. Mein zweiter Weg führt mich ins Reformhaus. Die Auswahl hier ist natürlich riesig, jedoch auch deutlich teurer. Veganes Steak, vegane Putenschnitzel, eine Packung Gummibärchen ohne Gelatine und eine Packung Brotteig bekomme ich für etwas mehr als 12€. Heute gibt es aber etwas, dass ich noch im Haus habe: Kartoffeln mit Grünkohl.

Tag 3:
Ich fühle mich super, es scheint gar nicht so schwer zu sein, und man muss nicht mal auf leckere Dinge verzichten. Soja Milch war und ist zwar nicht so mein Ding, aber zu einem sehr schmackhaften Soja-Steak mit Salat gibt es einen Vanille-Soja-Drink, der wirklich sehr lecker ist. Abends bin ich auf einem Geburtstag eingeladen, zu dem ich mit ein paar Freunden verschiedene Kuchen backen will. Einer dieser ist ein veganer Kirsch-Bananen-Streusel-Kuchen. Wie der Zufall so will, wird es der beste aller Kuchen (Also wirklich wirklich🙂 )

Tag 4:
Meine Euphorie wird plötzlich gebremst. Ich habe mir verschiedene Packungen getrockneter Früchte gekauft und bin genervt, als ich merke, dass die getrockneten Bananen mit Honig gesüßt sind. Also ein Fehlkauf, Honig ist für mich Tabu. Auch die Soja-Puten-Filets können mich nicht überzeugen. Ich merke, dass man als Veganer tierisch aufpassen muss (beachtet das Wortspiel^^), was man so kauft. In vielen Produkten sind eben doch Eier, Honig, Milch, tierisches Lab oder Gelatine enthalten, auch wenn man im ersten Moment nicht daran denkt. Meine Laune bessert sich aber um Welten, als ich Abends wieder auf einen Geburtstag gehe, und eine Freundin meinetwegen extra einen veganen Apfelkuchen gebacken hat. Auch dieser Kuchen steht nicht-veganen Kuchen in keinem Punkt nach.

Tag 5:
Ich bemerke, dass ich viel kontrollierter Esse. Einmal Obst zum Frühstück, dann eine große Mahlzeit am Nachmittag und das war es dann. Keine kleinen Snacks zwischendurch. Leider komme ich den ganzen Tag nicht dazu, neben ein bisschen Obst etwas zu essen und bin daher mehr als begeistert, als ich Abends auf einer WG-Feier eingeladen bin und dort veganes Chilli angeboten bekomme. Bisher das kulinarische Highlight meiner Woche.

Tag 6:
Heute koche ich mir Weizennudeln mit Bolognesesauce, wobei ich das Fleisch durch gut gewürzt und angebratenen Tofu ersetze. Ich finde immer noch, dass Tofu nach nichts schmeckt, beziehungsweise nur nach Gewürzen in meinem Fall. Da die Woche sich ja schon dem Ende neigt, werde ich gefragt, ob ich den schon froh sei, bald wieder Fleisch essen zu können. Um ehrlich zu sein, würde es mir nichts ausmachen, auf Fleisch zu verzichten. Jedoch ständig auf Milch, Eier usw. zu achten ist auf die Dauer doch anstrengend.

Tag 7:
Der letzte Tag. Zum Abschluss der Woche gönne ich mir einen veganen Burger in einem kleinen Café, dass einige weitere vegane Speisen anbietet. Und dann ist es plötzlich schon nach 24:00. Ich habe mich also eine Woche vegan ernährt. Auch wenn ich jetzt direkt zum Kühlschrank rennen und die Schokolade, die seit einer Woche dort auf mich wartet, verschlingen könnte, geh ich lieber schlafen.

Fazit:
Vegan zu leben ist kein Ding der Unmöglichkeit. Ganz im Gegenteil: Ein Großteil der Nahrung, die man im Alltag so zu sich nimmt, ist bereits vegan oder kann ganz leicht, zum Beispiel durch nutzen von Ersatzprodukten, vegan gemacht werden. Die größte Anstrengung, die zu leisten ist, besteht darin, genau darauf zu achten, was man isst. Ich persönlich sehe das aber sogar als einen positiven Nebeneffekt, um seine Ernährung gesund und kontrolliert umzugestalten. Um es gleich vorweg zu sagen: Ich werde nicht weiter vegan leben. Ich werde aber durchaus viel mehr darauf achten, was dort eigentlich auf meinem Teller liegt und auch meinen Fleischkonsum will ich auf ein Minimum reduzieren. Ich spiele sogar mit dem Gedanken, eine ganze Zeit lang vegetarisch zu leben, länger als eine Woche, denn ich bin mir sicher, dass das ohne Schwierigkeiten machbar ist, ja um einiges einfach als vegan.

Versucht euch doch selbst mal an so einer Woche. Mich würde interessieren, ob ihr ähnliche Erfahrungen macht, wie ich. Habt ihr vielleicht schon einmal vegan gelebt, lebt ihr das bereits seit Jahren, oder warum könnt ihr nicht auf euer Schnitzel verzichten? Würde mich über eure Kommentare freuen.

Empfohlene Links:
http://www.chefkoch.de
http://www.eat-this.org/
http://www.laubfresser.de/
http://www.veganguerilla.de

[Edit]: Erst einmal freut es mich, dass viele Rückfragen auf meinen Blogeintrag gekommen sind. Darunter waren auch Anmerkungen, dass meine Beweggründe, eine Woche vegan zu leben, nicht erläutert werden. Gleichzeitig wurde, wie in diesem Blogeintrag von Fiona beschrieben, der Rückschluss daraus gezogen, dass ich „viel zu inkonsequent und oberflächlich.“ sei. Jedoch zielte mein Blogeintrag allein darauf, zu zeigen, wie es für mich, als sonst nicht vegan lebenden Menschen, ist, eine Woche vegan zu leben und nicht die Gründe dafür aufzuzählen. Es gibt hier viele Sichtweisen und Meinungen, die betrachtet werden müssen. Dem würden einige Sätze in einem Bericht wie diesem nicht gerecht werden, weswegen ich meine Motivation für diesen Schritt außen vorgelassen habe.“

Otto gibt Feedback

Seit einem Jahr wohne ich jetzt schon in Magdeburg, der selbst ernannten „Ottostadt„. Inzwischen hatte ich die Möglichkeit, die Stadt etwas besser kennen zu lernen.
Magdeburg selbst genießt nicht den aller besten Ruf. So muss ich ehrlich zugeben, dass meine Vorstellungen anfangs auch nicht die besten waren. Alles, was ich zuvor über Magdeburg gehört hatte, war, dass die Stadt am Ende des zweiten Weltkrieges zerbombt worden war, grau und öde sein solle, wohl irgendwann mal gut im Handball war und vor allem viele Nazis habe. Einzig und allein die Universität sei sehr gut.

Inzwischen ist mein Bild natürlich ein ganz anderes (außer in Bezug auf die Uni, die ist wirklich gut). Magdeburg ist meiner Meinung nach eine tolle Stadt, mit viel Potential, und ich wohne gerne hier. Aber um mein Verhältnis zur Stadt soll es hier gar nicht gehen.

Den Ruf, den eine Stadt von außen hat, ist eine Sache, mir fiel mit der Zeit aber immer mehr auf, dass sehr viele Leute, die sich selbst für ein Leben in Magdeburg entschieden haben, schlecht über diese Stadt denken. So habe ich selbst schon mit Freunden und Bekannten diskutiert, die der festen Überzeugung waren, Magdeburg sei eine schlimme Stadt, an der sich auch nichts ändern würde. Dazu kommt diese Studie der Deutschen Post, welche die Zufriedenheit der Bewohner eines Bundeslandes bzw. Gebietes in Deutschland angibt. Hier erreichte Sachsen-Anhalt einen nicht besonders überzeugenden 16. Platz.

Für mich ergab sich dann also die Frage: Warum sind einige Menschen hier so unzufrieden? Ich habe darauf hin nach Kritik über die Stadt gesucht. In Twitter wurde ich auch relativ schnell fündig, indem ich einfach nur den Hashtag #Magdeburg eingeben musste.

Wie alleine diese beiden Tweets zeigen, äußern sich die Menschen ganz konkret zu Problemen, oder haben gerechtfertigte Fragen, auf die sie in Magdeburg stoßen. Natürlich kann man noch viele weitere Fragen oder Beschwerden entdecken.

Warum kommen diese Nachrichten jedoch nicht bei der Stadt an? Natürlich kann ich verstehen, dass niemand Tag und Nacht in Twitter sitzt und nach solchen Tweets sucht, aber für mich war es schwer vorzustellen, dass niemand den direkten Kontakt zum Beispiel über die Homepage der Stadt suchen würde. Bis ich es selbst probieren wollte.

Ich versuchte auf magdeburg.de ein passendes Formular für Anfragen zu finden, und musste feststellen, dass ich selbst länger suchen musste, bis ich fündig wurde. Dies ist natürlich hinderlich und bildet eine Hürde für alle, die gerne schnell und einfach ihren Beitrag leisten würden.

Also ergab sich für mich die Frage, wie kann man es schaffen, dass Menschen, die aus Magdeburg kommen, oder sich in Magdeburg aufhalten, schnell und einfach Feedback geben können und sich vor allem auch sicher sein können, dass auf ihre Anfragen ragiert wird? Genau hier möchte meine Idee „Otto gibt Feedback“ ansetzen.

Es handelt sich hierbei nur um eine Idee, kein ausgereiftes Konzept, und dieses teilt sich in drei Teile auf, die ich, angelehnt an die „Ottostadt-Kampagne“ angelehnt, so benannt habe:

„Otto nervt“ und „Otto sollte“ bilden hierbei den Bereich, der für das Feedback zuständig wäre. Vorstellbar wäre zum Beispiel eine eigene Webseite, die sehr einfach gestaltet ist und prinzipiell nur ein einziges Formular enthält. Otto „nervt“ oder „sollte“ bilden somit den Anfang des Satzen und werden dann vom Nutzer selbst vervollständigt. So wäre beispielsweise dieser Text denkbar:

Das gleiche gilt auch für „sollte“, wobei hier das Augenmerk natürlich darauf liegt, dass die Menschen konstruktive Vorschläge machen können. Das Formular muss nur noch losgeschickt werden und schon ist man fertig. Vorstellbar wäre jetzt natürlich, dass der Nutzer die Möglichkeit hat, seine E-Mailadresse anzugeben, um eine Reaktion darauf zu erhalten. Was jedoch wichtig ist: Der Nutzer hat ab diesem Moment nichts mehr zu erledigen, sondern konnte schnell und einfach eine Rückmeldung zu einem, für ihn wichtigen Thema geben.

Leider folgt darauf der Teil, der deutlich schwieriger zu planen und realisieren ist. Ein Grundpfeiler dieses Projektes sollte es nämlich sein, dass dieses Feedback auf jeden Fall ankommen und bearbeitet werden muss. Dies erfordert natürlich eine Gruppe von Menschen, die sich mit Themen und Ansprechpartnern der Stadt auskennen und dementsprechend weiterleiten können. So würde zum Beispiel bei oben genanntem Beispiel mit den behindertenungerechten Straßenbahnen eine Anfrage an die Magdeburger Verkehrsbetriebe gesendet werden, die einerseits den MVB wiederum als Feedback nutzen würde, andererseits hoffentlich eine Antwort erzeugt, die dem Fragesteller zurückgesendet werden kann.

Soweit zur Idee des Feedbackbereiches.  Natürlich bleiben hier viele Fragen offen: Wer diese Gruppe bilden, wie sie bezahlt werden sollte oder auch wie eng das mit der Stadtverwaltung selbst verknüpft sein sollte. Auf dem letzten Webmontag in Magdeburg habe ich genau diese Idee auch vorgetragen und danach viel Rückmeldung erhalten, und es freut mich sehr, dass einige Menschen Interesse bekundet haben, mitzuhelfen, und so denke ich, werden sich auch für diese Fragen Antworten finden lassen.

Den letzten Bereich habe ich „Otto persönlich“ genannt. Es geht hierbei um einen Generator, der den Nutzern erlauben soll, ihre eigenen Otto-Sprüche zu generieren. Die Grafiken, die ganz im Stile der Ottokampagne aussehen sollten, die dabei entstehen, sollen dann gespeichert oder auf sozialen Netzwerken, Blogs oder Homepages geteilt werden können. Alles funktioniert dabei nach dem selben Prinzip, wie auch die „Eine Stadt für…“-Kampagne der GRÜNEN Berlin funktioniert hat. Dadurch kann jeder selber zeigen, was Magdeburg für ihn ist, und die Verbreitung der Bilder, mit einer entsprechenden Verlinkung, würde gleichzeitig dafür sorgen, dass „Otto gibt Feedback“ bekannter werden würde.

Das sind also alle drei Bereiche, mit denen es, wie ich hoffe, machbar wäre, das Verhältnis zwischen Einwohnern/Besuchern und Stadt zu verbessern. Ich bin selbst gespannt, ob und wie sich meine Idee weiterentwickeln wird und freue mich natürlich über alle Antworten, Kritiken und Beiträge, die mir dabei helfen könnten.

Ewig leben

Heute kann ich euch seit langer Zeit wieder etwas aus der Literaturecke anbieten. Es handelt sich dabei um eine Zusammenarbeit mit dem großartigen Stefan, dessen eigenen Blog ihr übrigens hier findet.

Die Kurzgeschichte, die nach einem ähnlichen Prinzip wie „Verbindungsfehler“ geschrieben wurde, entstand in den letzten zwei Wochen via Emailverkehr. Ich freue mich über alle Kommentare und konstruktive Kritik. Viel Spaß beim Lesen!

Ewig leben

Appetit hat er keinen mehr.
„Vielen Dank, wirklich, aber du musst entschuldigen, ich…“
Er dreht sich zu Seite. Sonne fällt durch die grauen Gardinen.
Fleckig.
Staub tanzt im Licht, bildet Balken, quer durch den Raum.
Er seufzt, umkreist mit den Fingerkuppen eine graue Stelle des weißen Lakens und blickt wieder auf.
„…also, es ist so, dass…“
Seit Wochen schon geht ihm dieser Moment durch den Kopf. Prinzipiell ist ihm alles klar. Prinzipiell weiß er genau, was er zu sagen hat.
Prinzipiell.

„Ich brauche deinen Blick, deine Hand, deine Aufmerksamkeit“, schreit sie ihm noch mal verbittert ins Gesicht, bevor sie dem pechschwarzen Tanzboden eine Träne schenkt.
„Wenn die Musik nicht so laut wäre“, denkt sie sich, „ dann würde ich ihm sagen, dass ich hackevoll bin und nur ficken möchte.“
Die Musik spielt das, was auch schon das Hitradio am Nachmittag gespielt hat. Schrott.
Er feiert.
Sie feiert.

„..ach, nicht so wichtig.“
Sein Gesicht verzieht sich zu Etwas, dass wie ein Lächeln aussehen soll. “Ich freue mich einfach auf heute Abend,“ sagt er und schließt die Augen.
Er hört den Wind in den Blättern vor dem Fenster, hört das Rauschen, das Knistern. Hört, wie sich sein eigener Atem dazwischen drängt.
„Du feiger Idiot!“, schreit sein Kopf. „Ich kann es verdammt noch mal nicht!“, brüllt es von irgendwo in ihm zurück. Er ballt die Fäuste, beißt die Zähne zusammen, schluckt.
Natürlich könnte er. Er hatte schon so oft gekonnt, nie großartig geplant, einfach angefangen.
Rascheln und Knistern hört er nicht mehr. Sein Kopf drückt und sticht. Was er nun braucht, ist Ablenkung. Für ihn, für seinen Kopf, für jetzt.
„Willst du nicht das Radio einschalten?“

„Mit Chillout-Zone!!!“, hatte der Veranstalter in roten Neonbuchstaben auf den A6-Flyer drucken lassen.
„Hier ist es etwas ruhiger und wir können uns unterhalten“, prostet sie ihm mit ihrem gefühlten zwanzigsten Wodka-Mischgetränk entgegen.
Sie nimmt einen kräftigen Schluck.
Aus dem Tanzsaal nebenan dröhnt der Kehrvers von Salt’n’Pepas „Let’s Talk About Sex“.
Beide schweigen.

„Ich springe noch schnell unter die Dusche, ja?“
Er wühlt sich durch verschwitzten Stoff.
Wieder.
Am Vorhang bahnen sich Tropfen den Weg nach unten.
Stockend, langsam. Hin und wieder treffen sie aufeinander, verbinden sich, fallen. Er bleibt.
Wie gerne würde er nun ewig duschen. Wie gerne würde er nun ewig, alleine, ohne an jemanden zu denken, ohne an etwas zu denken, ohne überhaupt nachdenken zu müssen, duschen.
Wieder.
Als er aus der Dusche kommt, liegt alles schon bereit:
Das selbe Hemd, das selbe Parfum, die selben Schuhe.

„Ich will, dass er mich berührt.“
Dieser Gedanke geht ihr immer wieder durch den mit Alkohol gefüllten Kopf.
Bumm bumm tschack macht die HipHop-Musik, die der Discjockey auflegt.
Sie hört nicht hin. Ihr Herzschlag ist lauter.
„Gleich werde ich es versuchen. Was soll schon passieren?“
Der Schnaps gibt ihr den nötigen Mut.
„Ich muss mal auf die Toilette, bin gleich wieder da“, speit er ihr gepaart mit etwas Spucke ins Ohr.

„Als wäre keine Zeit vergangen,“ denkt er, während er sich im Spiegel betrachtet.
Nur seine Augen, meint er, seien müde.
Ein stechend süßer Duft steigt in seine Nase, weiche, weiße Hände umfassen seine Hüften.
Ob sie ihm so gefalle.
„Du siehst toll aus,“ antwortet er ihr leise.
Er weiß es nicht.

Sie steht neben zwei solargebräunten Jungs, die vor den Toiletten auf ihre weiblichen Begleitungen warten.
„Ich werde ihn fragen, ob wir nach Hause gehen wollen“, denkt sie sich und fügt ihrem Gedanken noch ein „jetzt käme auch ein Spätbus und wir müssten nicht mehr allzu lange in der Dunkelheit rumstehen“ hinzu.
Sie wartet.
Und wartet.